Klimawandel im Arbeitsschutz
Neue Herausforderungen für Unternehmen und Beschäftigte
Zwischen dem Klimawandel und dem Arbeitsschutz besteht ein nicht zu unterschätzender Zusammenhang. Extreme Hitze und veränderte Wetterlagen sorgen für neue Gefährdungen und erfordern so langfristig ein Umdenken im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Betriebsarzt Dr. h. c. Marcus Noje fasst das Problem zusammen und warnt vor Risiken:

„Hitze und UV-Strahlung sind ernstzunehmende Gesundheitsrisiken. Gerade Arbeiter*innen mit Tätigkeiten im Freien gefährden ohne ausreichenden Schutz ihre Gesundheit. Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen häufiger und – wie auch die UV-Strahlung – intensiver. Der Klimawandel als Risikofaktor ist in der Gefährdungsbeurteilung noch längst nicht überall angekommen – dabei verpflichtet uns das Arbeitsschutzgesetz genau dazu. Schutzmaßnahmen sind vergleichsweise einfach umzusetzen: angepasste Arbeitszeiten, geeignete Schutzausrüstung, Aufklärung über gesundheitliche Risiken und klare Notfallpläne.“
Hitzestress
Vor allem zunehmende Hitze und UV-Belastung stellen eine Gefährdung für die Gesundheit der Beschäftigten dar. Dies betrifft vor allem Berufe, in denen viel draußen im Freien gearbeitet wird. Aber auch bei Arbeiten in Innenräumen kann es bei längeren Hitzeperioden oder in Räumen ohne Klimaanlage zu hohen Temperaturen und somit zu einer Belastung des Körpers und der Psyche kommen.
Draußen kann die zunehmende Hitze vor allem bei körperlicher Betätigung zu einer erhöhten Herz-Kreislauf-Belastung führen. Begleitet von einem Verlust von Flüssigkeiten und Elektrolyten, der durch persönliche Schutzausrüstung (PSA), die isolierend wirkt, verstärkt werden kann, belastet das verschiedene Organe im Körper. Gehirn, Herz und Nieren können betroffen sein und es kann zu kognitiven Einschränkungen kommen, was wiederum das Risiko für Unfälle erhöht. Körperliche Erschöpfung und Konzentrationsverlust stellen nicht nur eine Gefahr für Mitarbeitende selbst dar, sondern können auch Kolleg*innen und Dritte betreffen.
Neben der Hitze ist auch die steigende UV-Strahlung ein Problem. Sie erfordert vor allem passende Arbeitskleidung und PSA, die trotzdem für einen guten Ausgleich der Körpertemperatur sorgt und Mitarbeitende nicht zu stark der direkten Sonneneinstrahlung aussetzt. Denn das Risiko für Hautkrebs bei unpassender Arbeitskleidung durch eine erhöhte UV-Strahlung steigt.
Infektionen & Allergene
Durch den Klimawandel wird die Ausbreitung von Zecken und Mücken sowie neuen Insektenarten aus anderen Ländern und Regionen begünstigt. Dadurch steigt das Risiko für Krankheiten wie Borreliose, FSME oder Fieber. Besonders betroffen sind Mitarbeitende im Freien, wie in der Land- und der Forstwirtschaft. Hier gibt es gleich mehrere Regelwerke, die greifen, darunter das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), die Biostoffverordnung (BioStoffV) und die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA). Diese müssen jedoch stetig an neue Erreger angepasst werden.
Durch die Temperaturen und die steigenden CO₂-Werte kann es ebenfalls zu einem erhöhten und längeren Pollenflug kommen und invasive Pflanzenarten können sich ausbreiten. Das kann vor allem Atemwegserkrankte und Allergiker*innen besonders stark belasten.
Handlungsbedarf für Unternehmen
Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber*innen, alle relevanten Gefährdungen zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu zählt auch ausdrücklich die Berücksichtigung klimabedingter Risiken.
Das heißt, es muss eine Anpassung und Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung mit Blick auf die Temperaturen und Gefährdungen sowohl in Innenräumen als auch bei Arbeiten im Freien beachtet werden. Geeignete Maßnahmen müssen nach dem STOP-Prinzip getroffen werden, bei dem nur als letzte Instanz persönliche Maßnahmen wie Schutzausrüstung greifen.
Ein integriertes Klimarisikomanagement, das Gefährdungsbeurteilungen, Notfallpläne und Schulungsmaßnahmen umfasst, sollte künftig in jeder betrieblichen Sicherheitsstrategie verankert sein.
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