Gesundheitsförderung Aktuelle Beiträge
Über das EAP: Ein Betriebsratsvorsitzender im Interview
Über den Interviewpartner
Swen Tech ist der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Randstad Deutschland, mit über 20 Jahren Erfahrung in Betriebsrat, politischer und gewerkschaftlicher Arbeit. Hier stellt er sich unseren Interviewfragen zum Thema Employee Assistance Program. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich für die Bereitschaft, uns Rede und Antwort zu stehen!

Jedes Jahr verkünden breit angelegte Untersuchungen der großen Krankenkassen neue Rekordzahlen zu steigenden Fehlzeiten aufgrund gestiegener psychischer Belastungen. Was hat sich Ihrer Meinung nach im täglichen Arbeitsumfeld derart geändert, dass die psychische Gesundheit vermehrt unter Druck gerät und über Betriebliche Gesundheitsförderungsprogramme wie EAP gestützt werden muss?
"Das EAP-Programm ist ein Erfolgsthema, das wir mit zum Anfang der Covid-19-Pandemie begonnen haben, weil wir als Betriebsräte schon zu Beginn der Covid-Krise geahnt haben, dass wir da Folgeerscheinungen erleben werden. Und tatsächlich nehmen wir seit Covid einen zunehmenden Druck in den Betrieben wahr. Das gilt im Besonderen noch einmal für den Bereich der Arbeitnehmendenüberlassung, die ja per se eine höhere psychische Herausforderung mit sich bringt. Denn unsere Mitarbeitenden wissen nie genau, was auf sie zukommt in den Drittbetrieben, welche Rahmenbedingungen dort auf sie warten und ob sie dort eine Anlaufstelle finden, die ihnen Gehör schenkt, wenn es Schwierigkeiten gibt.
Hinzu kommt die seitdem verschärfte Wirtschaftssituation in den Betrieben. Das bekommen unsere Mitarbeitenden ja direkter mit, weil sie von allen negativen Entwicklungen vor Ort mehr betroffen sind als die Stammmitarbeitenden. Denn sie sind im schlimmsten Fall dann immer die ersten, die gehen müssen. Das macht natürlich auf Dauer etwas mit der Psyche, das ist uns bewusst. Dem wollten wir uns mit geeigneten Instrumenten entgegenstellen."
Sie nutzen EAP seit über 8 Jahren. Nehmen sie schon Veränderungen bei Ihren Mitarbeitenden wahr?
"Unsere Erfahrungen der letzten acht Jahre zeigen, dass wir bei den Menschen, die das EAP-Programm genutzt haben, gute Erfolge erzielen konnten, und das ist für mich ein wichtiger Punkt. Das kennt man oft aus eigener Erfahrung. Wenn man weiß, wohin man sich wenden kann, um Unterstützung zu bekommen, sorgt das schon für eine Erleichterung.
Dabei sind die Unterstützungsbedarfe über das EAP-Programm sehr vielschichtig. Es geht zum Beispiel um psychische Krisen, Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Da sind wir als Betriebsrat oft eine erste Anlaufstelle und sehr froh, dass wir die Kolleg *innen dann an die Angebote des EAP-Programms weiterleiten können, wo sie eine professionelle Beratung bezogen auf ihr spezifisches Problem bekommen, oft sehr erfolgreich. Das wertschätzen die Kolleg *innen schon sehr."
Was macht das EAP-Programm so wertvoll für Sie und Ihre Mitarbeitenden?
"Für uns als Betriebsräte ist es besonders wertvoll, dass wir mit dem EAP-Programm eine Ansprechebene bekommen haben, an die wir Mitarbeitende mit ihren Themen weitervermitteln können, als Unterstützungsangebot. Es kommt gut an, dass diese Anlaufstelle anonym ist und absolut vertrauensvoll. So können sich unsere Kolleg *innen darauf verlassen, dass alle Themen, die sie in diesem Rahmen besprechen, auch dort verbleiben.
Einige Mitarbeitende bringen bereits Problematiken mit zur Arbeit. Wenn es uns gelingt, dass sich diese Menschen dann öffnen und bereit sind, ihre Probleme gemeinsam mit uns anzugehen, können wir wirklich etwas bewirken. In diesem Zusammenhang muss ich sagen, ist das EAP-Programm herausragend. Dank der EAP-Unterstützung konnten wir Kolleg *innen schon aus unschönen Lebenssituationen, zum Beispiel geprägt von Alkoholismus, Drogenkonsum oder psychischer Krise, herausholen. Das hat auch mal zwei Jahre gedauert. Aber am Ende steht ein veränderter Mensch, der seine Arbeit nicht verloren hat und der sein Leben wieder aktiv bestreiten kann. Das ist dann so ein guter Moment, in dem man erkennt, dass die Entscheidung für ein EAP-Programm am Ende des Tages für jemanden eine wirklich positive Wendung bewirken konnte.
Zusammengefasst ist das EAP-Programm ein wirklich wertvolles Programm für uns und unsere Mitarbeitenden."
Als Betriebsrat bieten Sie mit dem EAP-Projekt ein Präventionsinstrument für Ihre Mitarbeitenden an, kein Standardprojekt für einen Betriebsrat. Welche Gründe gab es, als Betriebsrat aktiv das Betriebliche Gesundheitsmanagement mitzugestalten?
"Die gemeinsame Historie des Werksarztzentrums Deutschland und Randstad Deutschland geht bereits viel länger. Ich war von Beginn an involviert und habe persönlich sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Werksarztzentrum Deutschland gemacht. Ich bin sehr froh, dass wir gemeinsam die Möglichkeiten des EAP-Programms für unsere Mitarbeitenden schaffen konnten. Für uns als Betriebsrat ist das EAP-Programm ein maßgebliches Präventionsinstrument. Wir legen großen Wert darauf, die Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen, und da spielen die Gesundheit und die soziale Betreuung eine große Rolle. Randstad Deutschland hebt sich da auch deutlich von anderen Arbeitgeber *innen ab, weil sie bereit waren, diesen Schritt mitzugehen und sich neben der arbeitsmedizinischen Betreuung auch für das EAP entschieden haben."
Was macht für Sie, aus Sicht des Betriebsrats, in Bezug auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement eine *n gute *n Arbeitgeber *in aus?
"In unserem Unternehmen nimmt man den Arbeitsschutz sehr ernst und ich bin sehr froh, dass man bei Randstad Deutschland so denkt. Unsere Mitarbeitenden bekommen unterschiedliche Unterstützung, wie vom Werksarztzentrum Deutschland und anderen Institutionen. Gemeinsam mit dem Werksarztzentrum Deutschland, den Sifas und Betriebsärzt *innen, dem CEO und uns Betriebsräten kommen wir regelmäßig zusammen und besprechen aktuelle Punkte oder werden über bestimmte Arbeitsschutzgesetze informiert. Da agiert Randstad vorbildlich.
Nicht nur aus diesem Grund bin ich mit der Zusammenarbeit zwischen dem Betriebsrat, dem Werksarztzentrum Deutschland und Randstad Deutschland sehr zufrieden. Das gilt besonders für den guten Austausch mit dem Werksarztzentrum Deutschland. Da muss ich nicht irgendwelchen Terminen hinterherrennen. Sondern ich sehe den EAP-Berater regelmäßig und kann Themen direkt mit ihm besprechen. Ich verweise dann bei den Mitarbeitenden auf ihn und höre im Nachgang viel Dankbarkeit von den Beschäftigten. Das funktioniert wirklich gut."
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