Betriebliches Gefahrstoffmanagement
Sicher im Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen im Unternehmen
Ob in der Produktion, im Labor, in der Werkstatt oder im Büro: Gefahrstoffe finden sich in nahezu jedem Betrieb. Farben, Reinigungsmittel, Lösungsmittel oder Schmierstoffe gehören ebenso dazu wie hochspezialisierte Chemikalien in Forschung und Industrie.
Auch wenn sie unverzichtbar für viele Arbeitsprozesse sind, stellen sie gleichzeitig ein Risiko für Gesundheit, Sicherheit und Umwelt dar. Ein systematisches Gefahrstoffmanagement sorgt dafür, dass diese Risiken kontrolliert und minimiert werden. Es vereint rechtliche Anforderungen, technische Maßnahmen und praktische Umsetzung im Alltag und trägt entscheidend zu Arbeitsschutz, Umweltschutz und Rechtssicherheit bei.
Einführung in das betriebliche Gefahrstoffmanagement
Gefahrstoffmanagement beschreibt die Gesamtheit aller organisatorischen, technischen und personellen Maßnahmen, die den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb sicherstellen. Ziel ist es, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Schutzmaßnahmen zu verringern.
Ein zentrales Element ist das Gefahrstoffverzeichnis (Gefahrstoffkataster). Darin werden alle Stoffe, die im Unternehmen verwendet, gelagert oder transportiert werden, dokumentiert. Dieses Verzeichnis liefert den Überblick über vorhandene Gefahrstoffe, ihre Eigenschaften, potenzielle Gefahren und die notwendigen Schutzmaßnahmen.
Damit wird das Gefahrstoffmanagement zu einem kontinuierlichen Prozess: Von der Identifikation über die Risikobewertung bis hin zu Schulungen und Notfallplänen.
Rechtliche Grundlagen und Verantwortlichkeiten im Umgang mit Gefahrstoffen
Die rechtliche Grundlage bilden die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS). Sie geben klare Vorgaben für die Einstufung, Kennzeichnung, Lagerung und Entsorgung von Gefahrstoffen.
Unternehmen sind verpflichtet, Gefahrstoffe zu erfassen, Gefährdungen zu beurteilen, Schutzmaßnahmen einzuleiten und Mitarbeitende zu schulen.
Die Hauptverantwortung tragen Arbeitgebende. Sie müssen für sichere Arbeitsbedingungen sorgen und die gesetzlichen Vorgaben umsetzen. In vielen Betrieben unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzt*innen und – falls vorgeschrieben – Gefahrstoffbeauftragte bei der Umsetzung.
Auch Mitarbeitende haben Pflichten: Sie müssen die vorgegebenen Schutzmaßnahmen einhalten, vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) nutzen und Gefährdungen oder Unregelmäßigkeiten melden. Nur wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen, kann das Gefahrstoffmanagement wirksam sein.
Gefährdungsbeurteilung, Informationspflicht und Maßnahmen zur Gefahrenminimierung
Die Gefährdungsbeurteilung ist das Herzstück des Gefahrstoffmanagements. Hierbei werden alle Gefahrstoffe, mit denen Mitarbeitende im Betrieb konfrontiert werden könnten, systematisch erfasst, ihre Gefährdungen bewertet und passende Schutzmaßnahmen festgelegt. Der Ablauf umfasst:
• Identifikation: Welche Stoffe sind im Einsatz? Welche Gefahren (z. B. gesundheitsschädlich, brandfördernd, giftig) gehen von ihnen aus?
• Bewertung: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Gefährdung, und wie schwerwiegend wären die möglichen Folgen?
• Maßnahmen: Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen nach dem (S)TOP-Prinzip
Gleichzeitig sind Unternehmen verpflichtet, ihre Mitarbeitenden regelmäßig und umfassend zu informieren, etwa durch Sicherheitsdatenblätter, Kennzeichnungen oder regelmäßige Unterweisungen.
Schulung und Information der Mitarbeitenden
Wissen schützt. Deshalb müssen Beschäftigte regelmäßig geschult werden, um Gefahrstoffe sicher handhaben zu können. Diese Schulungen umfassen unter anderem:
• die Bedeutung von Gefahrensymbolen und Kennzeichnungen
• die sichere Handhabung von Stoffen
• den Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung (PSA)
• das Verhalten im Notfall, z. B. bei Verschütten oder Leckagen
Neben Pflichtschulungen sind auch praktische Übungen sinnvoll, etwa das sichere Umfüllen von Chemikalien oder das richtige Verhalten bei Bränden. Nur wenn Mitarbeitende Gefahren erkennen können und wissen, wie sie reagieren müssen, kann das Gefahrstoffmanagement im Alltag funktionieren.
Lagerung, Kennzeichnung und Entsorgung von Gefahrstoffen
Falsche Lagerung gehört zu den größten Risikofaktoren im Umgang mit Gefahrstoffen. Daher gelten im Zusammenhang mit der Lagerung, Kennzeichnung und Entsorgung von Gefahrstoffen klare Regeln:
• Gefahrstoffe müssen eindeutig gekennzeichnet sein, z. B. mit Gefahrensymbolen, Signalwörtern und Sicherheitsdatenblättern.
• Sie sind in geeigneten, stabilen und verschlossenen Behältern aufzubewahren.
• In Lagerräumen müssen Lüftungssysteme, Auffangwannen und/oder Brandschutzmaßnahmen vorhanden sein.
• Inkompatible Stoffe (z. B. Säuren und Basen, brennbare und oxidierende Stoffe) sind strikt getrennt zu lagern.
Auch die Entsorgung ist Teil des Gefahrstoffmanagements: Reststoffe, Abfälle oder leere Behälter müssen fachgerecht entsorgt werden, um Umweltbelastungen und Gefahren zu vermeiden.
Dokumentation und Notfallplanung
Eine sorgfältige Dokumentation ist nicht nur Pflicht, sondern auch ein wichtiges Instrument der Transparenz. Sie umfasst:
• ein Gefahrstoffverzeichnis
• Gefährdungsbeurteilungen
• Nachweise über Schulungen und Unterweisungen
• Lager- und Entsorgungsnachweise
Darüber hinaus ist eine Notfallplanung unerlässlich. Dazu gehören Flucht- und Rettungspläne, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Feuerlöscheinrichtungen und der Umgang mit zum Beispiel Leckagen oder Explosionen. Notfallübungen stellen sicher, dass Mitarbeitende im Ernstfall handlungsfähig sind.
Fazit: Regelmäßige Prüfung des Gefahrstoffmanagements
Ein effektives Gefahrstoffmanagement ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Vorschriften ändern sich, neue Stoffe kommen hinzu und Arbeitsbedingungen entwickeln sich weiter. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und Aktualisierungen unverzichtbar. Nur so bleibt der Schutz von Mitarbeitenden, Betrieb und Umwelt dauerhaft gewährleistet.
Darüber hinaus trägt ein konsequent umgesetztes Gefahrstoffmanagement nicht nur zur Rechtssicherheit bei, sondern stärkt auch die Unternehmenskultur: Es zeigt, dass Sicherheit und Gesundheit höchste Priorität haben. Ein klarer Wettbewerbsvorteil in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein zunehmend an Bedeutung gewinnen.
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